Worldwide Candle Lighting Day

Heute, am Worldwide Candle Lighting Day, leuchtet die Welt ein kleines bisschen heller.
Überall zĂŒnden Menschen Kerzen an – fĂŒr Kinder, die viel zu frĂŒh gegangen sind.
Auch wir zĂŒnden heute um 19 Uhr ein Licht an. FĂŒr dich, unsere geliebte Emma.
Seit 2019 bist du nicht mehr bei uns.
Und doch bist du jeden Tag ganz nah.
In unseren Herzen. In unseren Gedanken. In allem, was uns mit dir verbindet.
Diese Kerze steht fĂŒr dein Leben.
FĂŒr dein Lachen, das unser Herz bis heute wĂ€rmt.
FĂŒr deine Spuren, die du in unserer Seele hinterlassen hast.
FĂŒr die Liebe, die stĂ€rker ist als Zeit und Raum.
Du fehlst unendlich.
Und doch bist du da – in jedem Gedanken, in jeder Erinnerung, in jedem Licht, das wir fĂŒr dich entzĂŒnden.
Dein Licht erlischt nicht. Es lebt weiter in uns. Jeden einzelnen Tag.
Heute verbinden sich Kerzen auf der ganzen Welt zu einem großen Lichtermeer.
Und irgendwo darin leuchtet deins besonders hell.
FĂŒr immer geliebt.
FĂŒr immer vermisst.
FĂŒr immer unsere Emma. đŸ€âœš

29. September 2025

Gestern jĂ€hrte sich der Tag, an dem Emma ihre FlĂŒgel bekam.

Der **29. September** – seit Wochen schwirrte dieses Datum in meinen Gedanken, wie ein leiser Schatten, der mich begleitete.
Immer wieder tauchten Erinnerungen auf, fast so, als wolle Emma mir auf ihre Weise zeigen: *„Ich bin da.“*

In diesem September gab es auffallend viele besondere Momente, die mir Hoffnung schenken und mich ahnen lassen, dass es etwas gibt nach dem letzten Atemzug.
Es waren kleine, stille Zeichen: eine Feder, die plötzlich vor mir lag, eine Motte am Fenster, eine sanfte BerĂŒhrung an meinem Gesicht oder meinem Arm – und sogar wundersame Wendungen in schwierigen Situationen.

Auch wenn das Leben mir seit Jahren und gerade in den letzten Monaten wieder gezeigt hat, wie herausfordernd es sein kann, geben mir diese besonderen Augenblicke Kraft und Zuversicht fĂŒr alles, was noch kommen mag.

Vielleicht ist es Emma, mein kleiner Engel, der mein Leben auf seine eigene, wundervolle Weise lenkt und begleitet.
Oft frage ich mich allerdings, welche Aufgaben und PrĂŒfungen mir dieser Engel wohl noch bereithĂ€lt – denn manchmal sehne ich mich einfach nach einer friedlichen und ruhigen Phase.

Doch ich vertraue darauf, dass all das, was geschieht, seinen Sinn hat – auch wenn wir ihn vielleicht erst eines Tages verstehen werden.

Was DIPG aus mir machte

Bis zum 13. Juli 2018 kannte ich DIPG nicht. 

Ich wußte nicht, wofĂŒr diese vier Buchstaben stehen. 

Kinderkrebs? Kindliche Hirntumore? Weit weg in meinem Alltag mit drei Kindern im heissen Sommer im Jahr 2018


Auch nach der Diagnose im Juli 2018 konnte ich nicht ansatzweise erahnen, was DIPG mit meiner Emma machen sollte – und mit mir.

Wenn ich die Fotos von Juli 2018 bis September 2019 betrachte, dann sehe ich einen dauernden Wandel meiner Emma – Ă€ußerlich sowie innerlich, ausgelöst durch diesen schrecklichen Hirntumor und dessen Behandlung. 

Ich sehe auch eine stets lĂ€chelnde, zuversichtliche, fröhliche Emma. Zugleich erinnere ich mich an meinen Schmerz, den ich beim Auslösen des Fotos verspĂŒrt habe. Ich spĂŒre noch heute die Angst, die tĂ€glicher Begleiter unseres Lebens wurde.

Die Bilder, die ich heute mit euch teilen möchte, zeigen mit nur vier Fotos den Verlauf innerhalb kĂŒrzester Zeit. Den Verlauf von DIPG, den alle Kinder durchleben mĂŒssen. Eine VerĂ€nderung der Kinder, die Eltern, Geschwister, Freunde und Bekannte sehen. Ein schrecklicher Verlauf. 

Bild 1 – April 2018, drei Monate vor der Diagnose:
Wir waren im Zirkus und hatten einen schönen Nachmittag mit Emmas Freundin und ihrer Familie. Niemand konnte ahnen, was zu diesem Zeitpunkt schon in Emmas Hirnstamm wuchs.

Bild 2 – September 2018, zwei Monate nach der Diagnose:

Wir waren zur Kontrolle in der Tagesklinik, die Bestrahlung hatte bereits begonnen. 

Emma hatte innerhalb kĂŒrzester Zeit 7 kg zugenommen, verursacht durch Kortison und dessen Nebenwirkungen. Emma hatte Scherzen in den Knien, sie konnte alleine keine Treppenstufen bewĂ€ltigen. 

Bild 3 – Oktober 2018, drei Monate nach der Diagnose:

Kontroll-MRT und das Warten nach dem Aufwachen aus der Sedierung mit Propofol. Emma ging es „gut“, sie zeigte es uns mit „Daumen hoch“. 

Etwa eine Stunde, nach dem das Foto aufgenommen wurde, kam eine Ärztin aus der Tagesklinik mit freudiger Mimik zu uns und berichtete ĂŒber das Ergebnis des MRT: Der Tumor war geschrumpft, die Bestrahlung hatte Wirkung gezeigt. 

Das sollte das erste und letzte Mal gewesen sein, dass es nach dem MRT positive Nachrichten gab.

Bild 4 – Dezember 2018:

Emma dufte am Nikolaustag ihre ehemalige Kindergartengruppe besuchen und freute sich, ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Trotz offensichtlicher EinschrÀnkungen durch DIPG nahmen die Kinder Emma in ihrer Mitte auf, als sei sie nie weg gewesen. 

Ich könnte euch noch mit unzÀhligen weiteren Fotos zeigen, was DIPG mit Emma gemacht hat. Aber viele der Fotos sind so schrecklich, dass ich sie nicht ansehen kann, geschweige denn mit euch teilen möchte. 

Die Monate danach waren geprĂ€gt von positiven und negativen Momenten und Erlebnissen, wohingegen die letzten Wochen nur noch ein „bergab“ fĂŒr uns waren. Bis zu Emmas letzten Atemzug. 

Auf gewisse Art und Weise habe ich DIPG mit Emmas Tod am 29. September 2019 aus meinem Leben verbannt. 

Aber DIPG wird immer ein Teil bleiben. Diese Buchstabenkombination, die in ausgeschriebener Form den grausamen Monster-Tumor beschreibt, der im Sommer 2018 plötzlich Teil unserer Familie wurde. 

Diffuses intrinsisches Ponsgliom – ein aggressiver und tödlicher Hirntumor bei Kindern mit einer mittleren Überlebenszeit von ca. 9 bis 12 Monaten nach der Diagnose.

Mit Emmas VermĂ€chtnis e. V. und Ein Hase fĂŒr Emma habe ich beschlossen, dass DIPG und der Kampf um eine Heilung von kindlichen Hirntumoren weiter Teil meines Lebens bleiben wird. 

Denn es bleibt. Erinnerungen verblassen, Wunden vernarben, aber DIPG bleibt.

So wie auch das schreckliche, schmerzliche Vermissen jeden Tag bleibt. So wie der leere Platz am Familientisch bleibt.

So wie die Angst bleibt, wenn Emmas kleiner Bruder ĂŒber Kopfschmerzen klagt. 

So wie der Blick auf MÀdchen in Emmas Alter bleibt. 

So wie die Narben in meinem Mamaherz bleiben.

Daher möchte ich euch anlĂ€sslich des bevorstehenden Bewusstseinsmonat fĂŒr Kinderkrebs aufrufen, aktiv zu helfen. Sprecht ĂŒber DIPG, sprecht ĂŒber Kinderkrebs, sprecht ĂŒber die Kinder, die so sehr gelitten haben und wegen DIPG nicht mehr bei ihren Familien sein dĂŒrfen.

Helft mit, teilt die BeitrĂ€ge all derer, die sich im Kampf gegen kindliche Hirntumore einsetzen, spendet fĂŒr die Forschung. UnterstĂŒtzt uns und helft mit, dass fĂŒr die nachfolgenden Generationen die Diagnose DIPG irgendwann kein Todesurteil mehr sein muss. 

In Gedenken an meinen MausebÀr Emma und alle anderen DIPG-Engel dieser Erde.

Ihr seid nicht vergessen. Ihr seid nicht weg, ihr habt nur die Seite gewechselt und all eure Liebsten sehnen sich nach einem Wiedersehen mit euch. 

Emma, ich warte auf dich am Regenbogen, wenn mein Tag gekommen ist und kann es kaum erwarten, dich wieder zu sehen, zu spĂŒren und mit dir zusammen zu sein. 

 

Weihnachten 2024

„Du musst nicht immer einen Plan haben. Manchmal musst du nur atmen, vertrauen, loslassen und schauen, was passiert.“
Das wurde gestern auf der Insta-Seite des Hospizverein Pfaffenhofen gepostet.
Dieser Spruch ist so passend, fĂŒr meine letzten Monate und besonders meine letzten Tage und Wochen. In unserer Familie hat sich vieles innerhalb kĂŒrzester Zeit verĂ€ndert. Vieles ist passiert, vieles hat mich aus der Bahn geworfen, gestresst und genervt – aber egal ob mit oder ohne Plan – alles wird sich irgendwann regeln.
Mit HĂŒrden und Steinen, die in meinem Weg liegen, kann ich ganz gut umgehen, auch wenn sie schmerzhaft und anstrengend sind.
Leider ist in diesem ganzen Stress die Trauer und das Vermissen meiner Emma viel zu kurz gekommen. Gerne gebe ich der Trauer einen Raum in meinem Alltag und meinem Leben. Auch der Schmerz, den ich bewusst zulasse, gehört dazu.
Wir haben den Heiligabend schlicht und einfach gehalten und dank meiner lieben Wegbegleiter ist Emma immer dabei. Ihr Grab habe ich gestern noch weihnachtlich geschmĂŒckt und mit ihr ein kleines ZwiegesprĂ€ch am Friedhof gefĂŒhrt. Dabei weiß ich zu jeder Zeit, dass sie immer an meiner Seite ist und mich leitet und lenkt, so dass alles den Weg nimmt, der am Ende der Richtige fĂŒr mich ist.
Ich wĂŒnsche euch und euren Liebsten wundervolle Weihnachten, besinnliche Feiertage und Zeit, um zur Ruhe zu kommen oder es so richtig krachen zu lassen. Jeder soll diese Tage (und alle Tage des Jahres) so verbringen, wie es sich richtig anfĂŒhlt.
Liebste GrĂŒĂŸe von Marion mit Emma im Herzen

FĂŒnf Jahre ohne Emma…

Mein MausebÀr,

heute vor fĂŒnf Jahren spĂŒrte ich deinen letzten Atemzug.
Ein Moment, den ich nie erleben wollte und dennoch so froh bin, dass ich dabei sein durfte.
Ich lag neben dir in meinem Bett. Ganz nah schob ich jede Nacht dein Pflegebett an meins, so dass ich dich berĂŒhren konnte. Du hast mich geweckt. Deine Atmung war plötzlich unregelmĂ€ĂŸig und ich wachte auf aus meinem DĂ€mmerschlaf. Ich habe mich zu dir ins Bett gelegt.
Instinktiv sprach ich zu dir und sagte dir, wie stolz ich auf dich bin und wie sehr ich dich liebe.

Dann kam der Moment der Stille, vor dem ich solche Angst hatte. Dein letzter tiefer Atemzug, ein Abschied. Der Abschied von deinem irdischen Leben.

DIPG hat dich mir nun endgĂŒltig genommen.

Aber die böse Blume hatte dir schon lange zuvor so viel genommen – deine Beweglichkeit, deine Kraft, deine Freude, dein Lachen und deine strahlenden Augen.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich dich und all das vermisse, was dich ausgemacht hat.

Deine Ruhe, deine Ausgeglichenheit, deine StÀrke, deinen Mut, deinen Charme und deinen Witz.

Mein MĂ€dchen, mein Leben ohne dich ist an manchen Tagen ein schreckliches Dasein. Wie kann man nur beschreiben, wie es sich anfĂŒhlt, wenn ein StĂŒck des eigenen Ich verloren gegangen ist? Ich kann es nicht. Es mĂŒssten neue Wörter dafĂŒr erfunden werden, um dies auszudrĂŒcken.

Es ist unfassbar, dass seit deinem letzten Tag an meiner Seite schon fĂŒnf Jahre vergangen sind. FĂŒnf Jahre ohne dich, aber auch fĂŒnf Jahre nĂ€her zu dir und unserem Wiedersehen. Ich hoffe darauf und warte auf dich, bis mein letzter Tag gekommen ist und wir uns wieder in die Arme nehmen können. Ich werde die erste Umarmung und den ersten Kuss herbeisehnen wie nichts anderes in meinem Leben.

Ich liebe dich – bis zum Himmel und zurĂŒck.

Noch mal leben

Habt ihr schon von der Ausstellung „NOCH MAL LEBEN – von der Unglaublichkeit des Endlichen“ gehört?

Der Tod – bis zu Emmas Diagnose hatte ich keine nennenswerte Begegnung mit dem Tod. Doch seit ich Emma beim Sterben begleiten durfte, sehe ich das Thema mit anderen Augen. Der Anblick eines verstorbenen Menschen macht mir keine Angst.

In dem Projekt NOCH MAL LEBEN wurden unheilbar Kranke gebeten, sie in ihrer letzten Lebensphase begleiten zu dĂŒrfen. So entstanden PortrĂ€ts dieser Menschen kurz vor und nach ihrem Tod. Die Texte, die zu den Bildern veröffentlicht sind, berichten von den Ängsten, Hoffnungen und dem Leben der Sterbenden.

Ende August war ich bei der Vernissage der Ausstellung in Pfaffenhofen und durfte ein paar persönliche Worte mit dem Fotografen Walter Schels und seiner Frau, der Journalistin, Beate Lakotta wechseln. Ich erzĂ€hlte Herrn Schels von Emma und dass auch ich Fotografien von ihr nach ihrem letzten Atemzug besitze. Und dass ich froh darĂŒber bin, Aufnahmen von der letzten Lebensphase von Emma, vor und nach ihrem Tod zu haben. Auch wenn es mir schwer fĂ€llt, diese anzuschauen, so habe ich sie sicher gespeichert.

Die Fotos der Ausstellung betrachtete ich in Ruhe und konnte feststellen, dass diese Menschen nach ihrem Tod friedlich und erlöst aussahen. Ich las interessiert die Geschichten zu den PortrĂ€ts. Als ich an dem Teil der Ausstellung mit den Bildern zweier Kinder angekommen war, musste ich meine TrĂ€nen zurĂŒckhalten. An dieser Stelle beendete ich meinen Rundgang.

Das Buch zur Ausstellung habe ich von Walter Schels und Beate Lakotta signieren lassen und werde es, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wieder in die Hand nehmen und mich zurĂŒck erinnern. An diese besondere Begegnung mit zwei Menschen, die es gewagt haben, das Tabuthema Sterben und Tod auf eine wirklich berĂŒhrende und wertschĂ€tzende Art und Weise zu zeigen.

Leben in der Zwischenwelt

Als verwaiste Mama oder verwaister Papa hat man nach dem Sterben seines geliebten Kindes den Tod auf unvermeidbare Art und Weise so nah kennengelernt, wie man ihn nie erleben wollte.

Wenn ich fĂŒr mich und meine Trauer spreche, dann erklĂ€re ich es oft so, dass ich mich in einer gewissen Zwischenwelt befinde.‹‹Ich lebe mein Leben, ich habe meine Familie, meinen Mann und meine zwei Söhne. Wir gehen zur Arbeit und zur Schule, wir erleben schöne gemeinsame Momente und sind dennoch anders. Denn unsere geliebte Emma ist im Himmel und nicht mehr an unserer Seite. ‹‹WĂ€hrend meinem Alltag mit Job, Haushalt und Familie, um den ich sehr froh bin, verliere ich mich oftmals in Gedanken an den Himmel, an das Jenseits, an das Sterben und den Tod. Ich denke an Emma, wo und wie sie jetzt „lebt“ und ob wir uns denn wirklich wiedersehen, so wie wir es uns wĂŒnschen, wenn unser Tag gekommen ist.‹‹Ich muss mich oft erinnern, das Leben zu leben und dennoch ist der Gedanke an den Tod so greifbar. Der Tod macht mir keine Angst. Das Leben aber schon immer wieder. Die Herausforderungen des Lebens zu meistern, die traurigen Erinnerungen mit schönen Erinnerungen zu ĂŒberlagern und die gemeinsame Zeit zu genießen.‹‹Deshalb sind meine neuesten beiden Tattoos Ausdruck dieser beiden Seiten. Eins auf der bunten Seite mit Emmas Zeichnungen und das andere auf der dunklen, eher dĂŒsteren Seite.
Es sind die SprĂŒche MEMENTO MORI und MEMENTO VIVERE – „Gedenke, dass du sterben musst.“ und „Gedenke zu leben.“

Memento mori – der Satz ĂŒber dem Friedhofstor in Pfaffenhofen, ĂŒber den ich im Juli berichtet habe, war Anfang dieser Idee und ich bin stolz, diese zusammen mit dem TĂ€towierer meines Vertrauens umgesetzt zu haben.

Libellenbesuch

Nach getaner Arbeit habe ich heute mit Pius beschlossen, in ein nahegelegenes Waldbad zu fahren. Trotz der wirklich kalten Wassertemperaturen haben wir beide die Auszeit sehr genossen.

Wenn der Wind nachgelassen hat, war die Sonne stark genug, um uns wieder aufzuwÀrmen.

Selten mache ich so etwas, immer gibt es etwas zu tun. Manchmal sind es auch die vielen Menschen, die mich an solchen AusflĂŒgen hindern.

Aber heute hat es sich richtig angefĂŒhlt und ich möchte gerne noch die letzten Sommertage in den Ferien nutzen, bevor das neue Schuljahr beginnt – und die damit verbundenen Verbindlichkeiten


Aber wir waren nicht alleine – neben wenigen Personen, die das Waldbad auch besucht haben, hat uns ein Tier eine zeitlang begleitet – eine Libelle.

Seit Emmas Tod habe ich noch keine Libelle gesehen. Oftmals habe ich schon gelesen oder gehört, dass Verstorbene sich so zeigen und ein Zeichen an ihre Liebsten senden.

Heute war es so weit und genau zum richtigen Zeitpunkt, denn die Erinnerungen, besonderes an den Sommer 2019, sind gerade wieder sehr prÀsent.

Danke mein MausebÀr, das hat mir heute soooo gut getan.

Alltagskontrollverlust

Wie wir wissen, hat die Trauer viele Gesichter. Meist wirkt man als trauernde Person gegenĂŒber seine Mitmenschen als gefestigt und stark. Man lebt ja sein Leben, man kommt gut zurecht, man macht weiter.

Auch ich möchte von mir behaupten, dass ich im Alltag ganz gut zurecht komme
was bleibt einem auch anderes ĂŒbrig?

Dennoch
in ruhigen Momenten, in schlaflosen Stunden oder inmitten des Trubels der Innenstadt, mit glĂŒcklichen, lachenden Kindern
da ĂŒberkommt mich die Traurigkeit.

Ich bin rausgerissen aus dem, was ich gerade denke oder mache, ich bin wie gelÀhmt und hÀnge fest in Erinnerungen.

Auch im Alltag, im sicheren Zuhause, passieren solche Momente.
So wie heute Nachmittag.

ZufÀllig fand ich in einem Block eine Zeichnung von Emma.

Ich versuchte, zu deuten, was sie gezeichnet hatte.

Es ist unser Zuhause und unser Alltag – mit ihr mittendrin, die ihrem Bruder ein Herz ĂŒberreicht.

Und da ist wieder dieser Moment, in dem mich die Traurigkeit ĂŒbermannt und ich die Kontrolle ĂŒber mich in meinem Alltag verliere.

Ja, die Trauer hat viele Gesichter und sie kommt ganz plötzlich und unerwartet.

Nichts ist mehr wie zuvor und egal, wie viel Zeit vergeht – die Trauer bleibt. Wenn auch nicht immer, aber ewig.

Memento mori

„Bedenke, dass der Tod nicht zögert“

Dieser Spruch steht ĂŒber dem Eingangstor eines Friedhofs in Pfaffenhofen an der Ilm.

Vor vielen Jahren habe ich ihn entdeckt, als ich daran vorbei fuhr.

Dass der Tod und die VergĂ€nglichkeit plötzlich und vor allen Dingen unerwartet Teil meines eigenen Lebens sein wĂŒrden, wurde mir erst bei Emmas Diagnose am 13. Juli 2018 bewusst.

Jeder kennt die Frage von Verwandten, Freunden und Bekannten nach der Geburt eines Babys „Ist er/sie gesund?“
Nach der Antwort JA sind alle erleichtert. Alles ist gut.
Das dachte ich mir auch, bis das Schicksal einen anderen Lebensweg fĂŒr uns vorher sah.

Viele Menschen verdrÀngen aus Angst den eigenen Tod oder den der Liebsten.

Ich beschÀftige mich seit Emmas Diagnose mit dem Tod und bin mir tÀglich dessen bewusst.
Auf gewisse Art und Weise hat mich die Erfahrung mit dem Tod reifen lassen. Ich habe meine Sicht auf gewisse Dinge verÀndert.

Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht mit meinem Schicksal zurecht komme, dass ich nicht loslassen kann, dass ich mir nicht helfen lassen möchte.

Das Schicksal hat diesen Weg fĂŒr mich geschaffen und dem stelle ich mich – mit allem, was mir gegeben wurde.

Welche Bedeutung dies genau hat, werde ich euch bald berichten!