Emmas Medikamente
(Stand: 16. September 2019)
Ich wollte schon lange erzĂ€hlen, welche Medikamente Emma tĂ€glich ĂŒber die Sonde erhĂ€lt.
Das ist der derzeitige Stand. WĂ€hrend der Chemotherapie-Phasen (August 2018 bis MĂ€rz 2019) kamen noch weitere Medikamente (z. B. gegen Ăbelkeit) dazu.
Als ihr noch Blut ĂŒber den Port abgenommen wurde, wurde der Gerinnungswert des Bluts getestet und der Spiegel des Wirkstoffs âValproatâ.
Bevor Emma am Anfang des Tages ihre Medikamente bekommt, geben wir ihr ĂŒber die Sonde das PrĂ€parat âNexiumâ – ein Magenschutz, um die MagensĂ€ureproduktion zu reduzieren. âš(Man kann sich vorstellen, daĂ so viele Medikamente auf Dauer den Magen und auch andere Organe schĂ€digen, deshalb ist das Nexium seit einigen Monaten unterlĂ€sslich.)
Kurze Zeit spĂ€ter bekommt sie ihre erste Dosis âDexamethasonâ (Kortison). Das Kortison bekommt Emma, um die Hirndruckprobleme (durch den wachsenden Tumor und die damit verbundenen Hirnwasserabflussstörungen) zu hemmen. Nebenwirkung des Kortisons sind leider Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme und gesteigerter Appetit. (Als Emma letztes Jahr hochdosiert Kortison bekam, hatte sie auch starke Gelenkschmerzen.)
Zeitgleich bekommt sie âMSTâ, das ist Morphin, ein starkes Schmerzmittel, in Granulatform, das wir in Wasser auflösen und auch ĂŒber die Sonde geben. Das MST bekommt sie nur zweimal tĂ€glich, da dies fĂŒr etwa 12 Stunden wirkt und so Schmerzspitzen vermieden werden sollen.
Etwa eine Stunde spĂ€ter bekommt sie âBaclofenâ, ein Medikament gegen Spasmen. Seit Emma die bisher unverĂ€nderte Dosis Baclofen bekommt, hat sie keine Spastik mehr in den Beinen und Armen gehabt.
Zeitgleich mit dem Baclofen bekommt Emma âNurofen oder Ibuflamâ Saft, ebenfalls gegen Schmerzen.
Man nutzt verschiedene Schmerzmittel, um die unterschiedlichen Schmerzrezeptoren zu behandeln.
Zudem bekommt Emma âDronabinolâ, kĂŒnstlich hergestelltes THC. Es soll schmerzlindernd, entzĂŒndungshemmend, muskelentspannend und auch etwas âaufheiterndâ sein.
Dann ist fĂŒr den Vormittag erstmal Pause mit der Arznei, ich kann Emma dann fĂŒttern. Wir mĂŒssen nur immer einen zeitlichen Abstand zu den Medikamenten einhalten, um bei eventuellem Erbrechen die Wirkung der Arznei sicherzustellen.
Meist gebe ich ihr vormittags dann noch âMovicolâ, um die DarmtĂ€tigkeit anzuregen. Denn das Morphium hat als Nebenwirkung Verstopfung, das man dann mit dem Movicol verbessern kann.
Gegen 14:00 Uhr bekommt Emma wieder âDexamethasonâ und um 15:00 Uhr âBaclofenâ, âDronabinolâ und âIbuflam/Nurofenâ.
Um 19:15 Uhr geht es weiter mit âMSTâ und âDexamethasonâ, um 22:00 Uhr bekommt Emma als letzte Tagesdosis nochmals âBaclofenâ, âDronabinolâ und âIbuflam/Nurofenâ.
Nach Bedarf können wir Emma, falls wir Schmerzen vermuten, âMorphinâ in Tropfenform geben.
âTavorâ, das gegen Angst und zur Beruhigung helfen soll, geben wir Emma derzeit nicht. Zu viel negatives habe ich ĂŒber Tavor gelesen und gehört, es hat starke Nebenwirkungen wie extreme MĂŒdigkeit, AbhĂ€ngigkeit und verminderten Blutdruck.
Andere Notfallmedikamente, die man bei Atemnot oder KrampfanfÀllen verwendet, haben wir zuhause, aber noch nicht bisher benötigt.
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âšViele Medikamente werden bei anderen Kindern mit DIPG nicht oder nicht mehr gegeben, ich habe dies selbst im Austausch mit betroffenen Eltern erfahren.
Auf Nachfrage bei unserem Palliativteam erhielt ich die Auskunft, daĂ man – natĂŒrlich verstĂ€ndlicherweise – immer individuell nach Situation und Patient handeln muĂ.
Es wird immer genau abgewÀgt, was notwendig ist und es klappt so bisher auch ganz gut.
Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, daĂ auch in anderen BundeslĂ€ndern differenziert gehandelt wird. Es gibt z. B. Pflaster gegen Schmerzen, die fĂŒr einige Tage wirken. Dies wĂ€re bei uns auch möglich, wenn die Scherzen stĂ€rker werden sollten oder Emma öfter erbrechen wĂŒrde.
Mit uns werden immer die Vor- und Nachteile, Nutzen und Nebenwirkungen besprochen und unsere EinwÀnde ernst genommen.
Trotz allem frage ich mich oft, was ich Emma damit antue, was ihre Nieren, Leber, ihr Magen und ihr Darm schon alles verarbeiten musste – Unmengen, Liter von MedikamentenâŠ
Zudem sehe ich immer ihren prĂŒfenden Blick, wenn sie ĂŒber die Sonde Medikamente bekommt. Sie schaut immer genau zu, wĂ€hrend ich ihr erklĂ€re, was sie gerade bekommtâŠdas bestĂ€tigt mich aber wieder in der Meinung, daĂ sie alles genau mitbekommt.
Seit einigen Tagen haben wir immer wieder das Problem, daĂ Emma sich ĂŒbergeben muĂ. Meist passiert das nach der Gabe von Nahrung oder Wasser ĂŒber die Sonde, selten nach der Medikamentengabe. Da die Arznei unterschiedlich schnell in Magen oder zum Teil erst im Darm aufgenommen wird, muĂ man immer abwĂ€gen, ob man die Arznei nochmal nachgibt oder nicht.
Beim erbrechen ist aber auch oft der Schleim dabei, was dann erleichternd ist, wenn er erbrochen wird. Seit dem regelmĂ€Ăigen Erbrechen hat Emma nicht mehr die Probleme mit dem Schleim wie noch vor einiger Zeit.
Trotzdem ist es gerade fĂŒr mich als Mama, und auch fĂŒr Emma, schlimm anzusehen, wenn sie sich erbricht. Gerade weil wir das von frĂŒher nicht kennen, Emma hatte so gut wie nie Magen-Darm-Infekte oder auch wĂ€hrend der Chemotherapie kein ErbrechenâŠ
Soviel zur Gabe der gesamten Arznei, was uns den ganzen Tag ĂŒber beschĂ€ftigt.
Zwischen den Medikamentengaben gebe ich ihr Wasser und Nahrung (mit Saft verdĂŒnnte BabyglĂ€ser ab dem 4. Monat), befeuchte ihren Mund mit Wasser, wasche sie, massiere ihre Beine und FĂŒĂe mit Lavendelöl und lagere sie um, um ein wundwerden zu vermeiden.
Zur Zeit leidet sie an trockenen Augen und Lippen, dafĂŒr verwenden wir ĂŒbliche Augentropfen und Lippenbalsam, was sehr gut hilft.
Zur Mundhygiene habe ich bis vor kurzem immer ihre normale ZahnbĂŒrste benutzt. Nun verwende ich aber spezielle Mundreinigungssticks mit Schaumstoff, den ich auch mit Salbeitee befeuchtet verwende, um einer EntzĂŒndung vorzubeugen.
Zwischendurch messe ich regelmĂ€Ăig ihre Temperatur und den Puls sowie den Sauerstoffgehalt im Blut.
Was Emma und ich noch sehr gerne mögen und was ich jedem empfehlen kannâŠbei uns im Zimmer lĂ€uft immer ein Aromaöl-Diffusor. Es gibt so viele verschiedene Ăle, die unterschiedliche Wirkungsweisen haben. Wir mögen das sehr und es sorgt fĂŒr ein angenehmes Raumklima.
So, nun bin ich schon wieder von der Arznei in den âPflegebereichâ unseres Alltags abgeschweift. đ
Machts gut, bis bald,
liebe GrĂŒĂe
Marion mit Emma (die mir gerade ganz genau zugehört hat, was ich beim schreiben laut vorgelesen habe)