Zwiespalt

Seit Wochen habe ich auf dieses Wochenende hingeschaut.

Je näher es rückte, desto größer wurden meine Zweifel.

Der Geburtstag meines verstorbenen Kindes und die Hochzeit einer Freundin, die mich seit der Grundschule begleitet und in den schwersten Zeiten meines Lebens an meiner Seite war – beides fiel auf dasselbe Wochenende.

Ich hatte Angst.

Angst vor den Emotionen.

Angst vor den vielen Menschen.

Angst vor allem, was mich überwältigen könnte.

Ich hatte Angst, dass das Vermissen von Emma so groß sein würde, dass ich an diesem Tag nicht die richtige Marion sein könnte. Nicht die Freundin, die ich gerne für Steffi sein wollte. Nicht der Gast, den sie an ihrem besonderen Tag verdient hatte.

Deshalb hatte ich ihr zunächst abgesagt.

Nicht, weil sie mir nicht wichtig genug gewesen wäre. Sondern vielleicht gerade, weil sie es ist.

Und sie tat etwas, das ich nie vergessen werde: Sie verstand es. Ohne Druck. Ohne Enttäuschung. Mit ganz viel Liebe.

Doch je näher der Tag kam, desto mehr spürte ich, dass ich auf mein Bauchgefühl hören wollte. Ich sollte an diesem besonderen Tag bei ihr sein.

Als wir gestern losfuhren, war ich aufgeregt und angespannt. Gleichzeitig freute ich mich auf einen ganz bestimmten Moment:

Auf Steffis Blick, wenn sie mich sieht.

Und genau dieser Moment wurde zu meiner Antwort.

Als sie mich entdeckte, ich ihre Freude sah und wir uns in die Arme fielen, wusste ich sofort, dass es richtig war, diesen schweren Schritt gegangen zu sein.

Emma war den ganzen Abend bei mir.

In meinen Gedanken.

In meinen Gesprächen.

In den Antworten auf die Frage, warum wir erst später dazugekommen sind.

Ich habe von ihr erzählt. Von ihrem Geburtstag. Von ihrem Platz in unserem Leben.

Und dabei wurde mir etwas bewusst:

Ich musste mich gar nicht entscheiden.

Nicht zwischen Emma und Steffi.

Nicht zwischen Trauer und Leben.

Nicht zwischen Vermissen und Verbundenheit.

Alles durfte gleichzeitig da sein.

Heute haben wir Emma besucht.

Und auf ihrem Grab steht jetzt ein Gesteck von Steffis Hochzeit, das sie uns für Emma mitgegeben hat.

Vor einigen Wochen hätte ich nie gedacht, dass diese beiden Welten sich einmal so selbstverständlich berühren würden.

Doch genau das habe ich an diesem Wochenende gelernt:

Trauer und Freude schließen sich nicht aus.

Vermissen und Lachen schließen sich nicht aus.

Liebe wächst nicht nur in den Momenten, in denen wir jemanden festhalten können. Sie bleibt auch dort, wo wir loslassen mussten.

Und manchmal findet sie ihren Weg von einer Hochzeit direkt zu einem Kindergrab. 🌈❤️

Ein besonderes Geschenk

Marion Karl

Vor einigen Tagen erreichte mich ein Geschenk. 

Doris hatte ein Paket von einer ganz lieben Followerin erhalten – von Antje. 

Im Paket war ein von Antje herzlicher, handgeschriebener Brief mit ihrer persönlichen Geschichte zu diesem besonderen Vermächtnis.

Antje verfolgt Emma´s Schicksal und unterstützt mit viel Herz die Aktion „Ein Hase für Emma“. Sie leidet mit, mit allen DIPG-Kämpferinnen und -Kämpfern und möchte helfen, aufmerksam auf DIPG zu machen. 

Im Paket waren zwei Elefantenfiguren für mich – ein kleiner Baby-Elefant und eine Elefanten-Mama. Dazu zwei weitere Elefanten für Doris und ihre Tochter Franzi und zwei Elefanten für einen DIPG-Engel und seine Mama.

Wunderhübsche Elefanten – als Symbol für Stärke, Kraft, Mut und Fleiß. 

Die wunderschönen Elefantenfiguren sind aus dem Nachlass von Antjes vor kurzem an Krebs  verstorbenen Schwiegervater. 

Zwei Verbindungen – Krebs und Elefanten, mit einem schweren, gemeinsamen leidvollen Weg…

Der Elefant bedeutet mir seit dem Sommer 2019 mehr als je zuvor, denn das Lied „Ein Elefant für dich“ ist DAS Lied unserer Geschichte. 

Eine Textzeile dieses Songs hielt sich in der Stunde von Emmas Tod im Kopf, diese Worte werde ich nie vergessen, denn so oft sind sie plötzlich in meinen Gedanken. 

„Ich werde riesengross für dich
Ein Elefant für dich
Ich trag dich meilenweiter
übers Land
Und ich
trag dich so weit wie ich kann
Ich trag dich so weit wie ich kann
Und am Ende des Wegs, wenn ich muss
trage ich dich
trag ich dich über den Fluss“

Auf Emmas Beerdigung wurde das Lied live gesungen – eine wundervolle Erinnerung an diesen schweren Tag. 

„Stark wie ein Elefant“ – das fühle ich, auch wenn ich mir manchmal vorkomme wie eine kleine emsige Ameise die doch irgendwie nur kreuz und quer läuft. Und zugleich soviel stemmen kann, was man kaum erwarten würde. 

So wie ich Antjes Kompliment 

„Du bist eine ganz besondere Frau, so voller Liebe und Empathie und trotz deines / eures schweren Schicksals voller Stärke.“ 

inzwischen gerne annehmen kann. 

Antje – ich danke dir von ganzem Herzen – für diese herzensgute Geste, deine warmen Worte und dafür, daß du an unserer Seite bist!

Ganz liebe Grüße

Marion mit Emma im Herzen

Ein Elefant für dich

Emmas Hand

„Ich trag dich soweit wie ich kann…am Ende des Weges wenn ich muss, trage ich dich über den Fluss.“

…und ich hätte sie noch Monate und Jahre lang getragen.

Ich kann nicht beschreiben wie dankbar ich meiner geliebten Emma bin, dass sie mich diesen Weg mit ihr gehen ließ.

Die Gefühle sind unbeschreiblich, durcheinander, als wäre der ganze Körper durchgeschüttelt und durcheinander gebracht worden. Aber trotz all der Trauer und Tragik fühle ich mich stark und voller Liebe wie vielleicht noch nie in meinem Leben.

Emma, mein Mausebär, du hast Spuren hinterlassen, irrsinnig grosse Spuren.

Freundschaft

Geschenke für Emma

Wahre Freundschaft…

Meinen heutigen Beitrag möchte ich meiner lieben Freundin Steffi @steffi140280 widmen.

In meiner gestrigen nicht endend wollenden Traurigkeit brachte mir mein Mann plötzlich ein Geschenk, das vor unserer Tür lag….Eine kleine Schultüte für Emma mit vielen kleinen, liebevoll ausgesuchten Geschenken und ein Büchlein mit herzzerreißend schönen Mama-Tochter-Liebe-Sprüchen.

Da kein Zettel oder Brief dabei lag, habe ich einige Zeit gerätselt, von wem das Geschenk denn wohl sei. Instinktiv ist mir meine langjährige Freundin Steffi eingefallen und gerade, als ich ihr schreiben wollte, kam von ihr eine Nachricht mit der Auflösung. 

Ich muss euch erzählen, ich kenne Steffi schon über 25 Jahre, kaum zu glauben, was wir in der Zeit schon alles erlebt haben. Steffi ist damals in meine Schulklasse gekommen, als ihre Eltern in den Ort gezogen sind, in dem ich aufgewachsen bin. Wir waren gemeinsam auf der Schule, gingen zusammen auf die weiterführende Schule und machten beide eine Ausbildung am Flughafen München.

Auch wenn sich unsere Wege immer wieder mal trennten, die Verbindung zwischen uns ist nie abgerissen. Und ich weiß, dass sie immer immer immer für mich da ist und es auch spürt, wenn es mir schlecht geht.

Steffi, ich danke dir bis zum Himmel und zurück für deine Freundschaft  – ich hab dich lieb